Mit dem Roller von Bangkok nach Myanmar

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Niklas Heese studiert Architektur an der TU München und absolviert von September 2015 bis Juli 2016 ein Auslandsjahr an der Tongji Universität in Shanghai. In dieser Zeit wird er an dieser Stelle über das Studentenleben in China berichten.
Mittlerweile bin ich in Shanghai angekommen, habe mein Zimmer im Studentenwohnheim bezogen und das Semester beginnt. Bevor es hier aber um mein Studium geht, werde ich von meiner Reise durch Thailand und Myanmar schreiben.

 

Als Lukas und ich in Bangkok ankommen, scheint soweit alles gut zu klappen. Umsteigen in Shanghai, Visa, Hotel buchen, easy. Das erste Mal verschätzen wir uns aber schon bei den Dimensionen der riesig weit ausgedehnten Stadt Bangkok. Auf dem Weg mit der Bahn vom Flughafen ins Zentrum sieht man bereits ein Meer an Stadt. Für den Weg vom Bahnhof zum Hostel brauchen wir dann aber noch mal eine halbe Stunde. Schwache Leistung von dem Fahrer im Fast-and-the-Furious-mäßig aufgemotzen Taxi. Wenigstens können wir auf der Fahrt etwas von der Stadt sehen. Viele der Häuser haben eine vollständig geflieste Fassade, wegen der feuchten Luft. Von den Stromleitungen, die durch die Stadt wuchern, ranken ab und zu Pflanzen herunter.
An Bangkok ist vor allem eins beeindruckend: Die Unübersichtlichkeit. Selbst vom Dach eines der Wolkenkratzer ist es schwer sich zu orientieren. Die Lichter der Stadt breiten sich in der Nacht bis zum Horizont aus und steigen zu einem schwer auszumachenden Zentrum zu einer Skyline an. Die ist jedoch auch schwer zu erfassen. Vielleicht waren wir zu kurz dort, aber uns ging es wie zuvor Max, einem Freund von mir. Wenn man ihn auf Bangkok anspricht, wird man hören: „Bangkok? Alter, keiner checkt diese Stadt!“
So richtig verstanden haben wir den Ort auch nicht, wir haben uns dann mehr mit dem Kauf der Roller beschäftigt. Im Nachhinein war das einfacher als erwartet. Wir haben einen ganzen Tag dafür gebraucht und sind erst am dritten Tag unserer Reise nach Kanchanaburi aufgebrochen, aber wir haben es geschafft. Die Händler, mit denen wir verhandeln, sprechen den ein oder anderen Brocken Englisch, die tatsächliche Verhandlung spielt sich jedoch auf dem Taschenrechner ab. Am Ende bekommen ein freundlicher, untersetzter Herr in einem zur Straße offenen Laden den Zuschlag. Eine ebenso freundlich schauende, ältere Dame putzt sich im Treppenhaus die Zähne und sieht uns dabei zu. Der Laden liegt im Westen Bangkoks, was uns entgegenkommt: So müssen wir im Linksverkehr wenigstens nicht durch die Innenstadt.
Ein paar verpasste Ausfahrten, einen Sonnenbrand auf den Händen und etwa 200 km später sind wir mit unseren Rollern in Kanchanaburi angekommen. Nach der Fahrt wirkt das Hotel wie eine Oase: Die Luft ist gut, die Vegetation sieht lebendiger aus als entlang der Autobahn und vom Pool aus hat man einen Blick über den Fluss Kwai bis zu den Bergen, unserem nächsten Hindernis. Wir sind zwar erschöpft von der Fahrt und dem Klima, aber der Ort und die Tatsache, dass bisher alles perfekt funktioniert, sind einfach nur beeindruckend!
Kanchanaburi selbst ist teilweise sehr touristisch, mit etwa 30.000 Einwohnern allerdings eine überschaubare Stadt. Ziel der Touristen, die hier her kommen, ist die Bridge over the River Kwai. Sie ist Teil einer Eisenbahnstrecke von Myanmar nach Thailand, die im zweiten Weltkrieg unter japanischer Besatzung von Kriegsgefangenen unter grausamsten Bedingungen errichtet wurde. Das Buch und der Film „Die Brücke am Kwai“ handeln davon.
Die Brücke selbst steht auf neun Stahlbetonpfeilern, über die acht schwarz lackierte Tragwerke aus Stahl spannen. Die mittleren beiden überspannen je etwa 20 Meter und sind als trapezförmige Fachwerke konstruiert. Die restliche Distanz wird von sechs kleineren Bogentragwerken überbrückt, bei einer Spannweite von jeweils etwa 12 Metern. Man kann zu Fuß über die Brücke laufen, noch besser ist der Blick aber von einem kleinen Boot aus.

Niklas Heese

Architekturstudent